Smart City meets Vulnerabilität: Datenbasierte Wege zum kommunalen Hitzeschutz – warum es für gerechte Klimaanpassung neue Datenwege braucht

Blogbeitrag zum Workshop: Smart City meets Vulnerabilität: Datenbasierte Wege zum kommunalen Hitzeschutz 

Die Folgen des Klimawandels werden für Städte zunehmend deutlich – nicht erst in der Zukunft, sondern bereits jetzt. Eine der spürbarsten Herausforderungen ist die steigende Hitzebelastung in urbanen Räumen. Während Hitzeperioden in ländlichen Gebieten durch natürliche Beschattung oder geringere Bebauungsdichte abgepuffert werden, treffen sie in Städten eher auf eine dicht versiegelte, wärmespeichernde Umgebung (Irfeey et al. 2023). Besonders problematisch wird es dort, wo diese Belastung auf Risikogruppen trifft – beispielsweise ältere Menschen, Kinder, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Wohnungslose (Arsad et al. 2022). Hitzeschutz ist damit nicht nur eine Frage der Umwelt- und Klimapolitik, sondern auch eine Frage von Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit (Anguelovski et al. 2025).

Zwischen Datenverfügbarkeit und Entscheidungsdruck

Vor diesem Hintergrund wächst der Bedarf an wirksamen Anpassungsmaßnahmen auf kommunaler Ebene. Doch wie können Städte Risikogruppen identifizieren und gezielt schützen? Welche Daten braucht es, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zielgruppengerecht umzusetzen? Und wie kann gewährleistet werden, dass technische Lösungen soziale Realitäten berücksichtigen? In diesem Zusammenhang gewinnen Smart City-Ansätze an Bedeutung. Gemeint sind damit datenbasierte Infrastrukturen, Sensorik, Monitoring-Systeme oder Entscheidungsplattformen, die Städte in die Lage versetzen sollen, komplexe Prozesse besser zu steuern (BSI 2025). Dabei können in verschiedenen Handlungsfeldern durch digitale Lösungen Fortschritte erreicht werden, um Teilhabe und Lebensqualität für die Stadtgesellschaft zu erhöhen. Was vielversprechend klingt, kann Kommunen jedoch auch vor Herausforderungen stellen – beispielsweise in der Umstellung von Abläufen und Verfahren für die Verwaltung selbst oder der Zugänglichkeit digitaler Leistungen für alle Mitglieder der Stadtgesellschaft (Richter 2024).

Abb. 1: Mögliche Einsatzbereiche einer Smart City (Quelle: BSI 2025).

Wenn Technik auf soziale Komplexität trifft

Besonders in Städten mit hoher sozialräumlicher Ungleichheit gilt es zu berücksichtigen, dass Hitzeschutzmaßnahmen bestehende Ungleichheiten nicht verfestigen, sondern im besten Fall minimieren sollten (Anguelovski et al. 2025). So sollten Messstationen zu klimatischen Parametern insbesondere auch in Siedlungen mit einem großen Anteil vulnerabler Bewohnerschaft installiert werden. Dadurch können auf Basis der Daten abgeleitete Maßnahmen bedarfs- und zielgruppengerecht umgesetzt werden, anstatt sich ausschließlich auf stark frequentierte (Innen-)Stadtbereiche zu konzentrieren. Gleichzeitig wird so eine unausgewogene Datenverfügbarkeit vermieden, die Planungsentscheidungen verzerren könnte.

Potenziale datenbasierter Ansätze – und offene Fragen

Die Potenziale zur Nutzung von Daten im kommunalen Kontext sind größer denn je, wobei sowohl teilweise frei verfügbare globale Satellitendaten wie auch lokal erhobene Daten genutzt werden können. Die Basis hierfür muss jedoch in vorhandener Datenkompetenz innerhalb der Kommune sowie spezifischer Kompetenz im Umgang mit Geodaten und Geoinformationssystemen liegen. Datenbasierte Zugänge sind kein Selbstzweck – sondern können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Klimaanpassung gezielter, gerechter und wirksamer zu gestalten. Wenn es gelingt, unterschiedliche Datentypen – etwa Umweltdaten mit sozialen Indikatoren – zusammenzuführen, entstehen neue Möglichkeiten für präventive Maßnahmen, gezielte Ressourcenallokation oder partizipative Planungsprozesse. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass technische Lösungen nicht isoliert gedacht, sondern in eine umfassendere Governance-Logik eingebettet werden, die auf Gerechtigkeit, Teilhabe und zielgruppenorientierte Maßnahmenumsetzung abzielt. Das Aufbrechen von Silodenken spielt hier ebenfalls eine große Rolle, sodass innerhalb der kommunalen Verwaltung sowie mit externen Akteuren effektive Lösungen erarbeitet und Synergien nutzbar gemacht werden (Knieling et al. 2024).

Der Ansatz, über datenbasierte Mittel zielgerichteten Hitzeschutz zu ermöglichen, steht damit an einer komplexen Schnittstelle: zwischen technischer Machbarkeit, kommunaler Steuerungslogik und gesellschaftlicher Realität. Auch Fragen der Verantwortlichkeit oder der ressortübergreifenden Zusammenarbeit können Aushandlungsprozesse zur Maßnahmenumsetzung beeinflussen und Fragen der sozialen Ungleichheit in den Hintergrund rücken. Es reicht nicht aus, Sensoren zu installieren oder Dashboards aufzuziehen – entscheidend ist die Frage, wie Daten sinnvoll kombiniert, interpretiert und in konkrete Schutzmaßnahmen übersetzt werden können.

Vom Reden ins Gestalten kommen

Genau hier setzt der Workshop „Smart City meets Vulnerabilität: Datenbasierte Wege zum kommunalen Hitzeschutz“ im Rahmen der PIAZZA-Konferenz an. Gemeinsam mit Teilnehmenden aus Verwaltung, Forschung und Zivilgesellschaft möchten wir diskutieren, welche Wege und Werkzeuge nötig sind, um das abstrakte Potenzial von Smart City-Ansätzen in konkrete Maßnahmen zum Hitzeschutz für die Stadtgesellschaft mit Fokus auf vulnerable Bevölkerungsgruppen zu übersetzen. Im Zentrum steht die Frage, wie datengetriebene Ansätze zum Hitzeschutz mit sozialer Verantwortung verbunden werden kann – und welche Rolle verschiedene Akteur:innen dabei spielen können.

Statt in technischen Detailfragen zu verharren oder allein strukturelle Defizite zu benennen, möchte der Workshop dazu beitragen, konkrete Ansätze, Nutzungsszenarien und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, die in der kommunalen Realität anschlussfähig sein können. Dabei geht es auch darum, vorhandene Beispiele sichtbar zu machen, neue Allianzen zu denken und Anforderungen an integrierte Datenpraktiken zu formulieren.

In einer Zeit, in der Klimaanpassung oft als abstrakter Bestandteil der sozial-ökologischen Transformation diskutiert wird, braucht es genau solche Orte, an denen unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und gemeinsam an praktischen Lösungen gearbeitet wird. Nicht als fertiges Modell, sondern als kollektive Diskussionsplattform – mit offenem Ausgang, aber klarem Ziel: den Hitzeschutz in unseren Städten so zu gestalten, dass niemand übersehen wird.

Literaturverzeichnis:

Anguelovski, I., Kotsila, P., Lees, L., Triguero-Mas, M., Calderón-Argelich, A. (2025). From heat racism and heat gentrification to urban heat justice in the USA and Europe. Nature Cities, 2(1), 8-16. https://doi.org/10.1038/s44284-024-00179-6

Arsad, F. S., Hod, R., Ahmad, N., Ismail, R., Mohamed, N., Baharom, M., Osman, Y., Radi, M. F. M., & Tangang, F. (2022). The Impact of Heatwaves on Mortality and Morbidity and the Associated Vulnerability Factors: A Systematic Review. International Journal of Environmental Research and Public Health19(23), 16356. https://doi.org/10.3390/ijerph192316356

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik [BSI] (2025): Smart City. URL: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Informationen-und-Empfehlungen/Smart-City/smart-city_node.html (zuletzt abgerufen am 09.07.2025).

Irfeey, A. M. M., Chau, H.-W., Sumaiya, M. M. F., Wai, C. Y., Muttil, N., & Jamei, E. (2023). Sustainable Mitigation Strategies for Urban Heat Island Effects in Urban Areas. Sustainability15(14), 10767. https://doi.org/10.3390/su151410767

Knieling, J., Kretschmann, N., Schick, E., Back, Z. (2024). Silos aufbrechen, Zusammenarbeiten. Lösungsansätze zur Umsetzung klimaresilienter Stadtentwicklung. RaumPlanung, 227, 8-14.

Richter, E. (2024). Die digitale Stadt und Gemeinde – Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die lokale Gemeinschaft. In: Seckelmann, M. (eds) Digitalisierte Verwaltung – Vernetztes E-Government. Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Berlin. https://doi.org/10.37307/b.978-3-503-23763-0.11


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