Digitalisierung gemeinsam gestalten: PIAZZA-Workshop zur ko-kreativen Gestaltung von digitalen sozialen Diensten

Blogbeitrag zum Workshop: Jenseits der Sektorgrenzen: Ko-kreative Digitalisierung sozialer Dienste 

Worum geht es?

Im Bereich sozialer Dienste entstehen derzeit zahlreiche neue digitale Anwendungen – doch vielfach bleiben sie Insellösungen. Unterschiedliche Akteure verfolgen eigene Digitalstrategien, meist ohne gemeinsame Zielbilder, Standards oder abgestimmte Schnittstellen. Das führt zu Medienbrüchen, Redundanzen und erschwert eine durchgängige Nutzung. Betroffen ist nicht nur die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Verwaltungsträgern; gerade auch die Kooperation mit freien Trägern und der Zivilgesellschaft erfolgt bislang selten auf einer strategisch abgestimmten Grundlage.

Besonders problematisch: Die Perspektiven vulnerabler Gruppen, die auf verlässliche soziale Leistungen angewiesen sind, werden in Entwicklungsprozessen häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Dabei gilt gerade im Sozialbereich, dass digitale Transformation nur dann gelingen kann, wenn sie kooperativ, partizipativ und sektorenübergreifend gestaltet wird.

Unser Workshop will dazu beitragen, zentrale Barrieren sichtbar zu machen, Gelingensbedingungen zu identifizieren und gemeinsam Modelle zu entwickeln, wie Digitalisierung im Sozialbereich nachhaltig umgesetzt werden kann.

Warum Kooperation entscheidend ist

Bei der Erbringung sozialer Dienstleistungen wirken in der Regel mehrere Organisationen unterschiedlicher Ebenen zusammen: Kommunen, Länder, freie Träger, Sozialverbände oder private Anbieter. Jede Seite verfügt über eigene IT-Systeme und Prozesse, die oft nicht interoperabel sind. Daraus entstehen Brüche, Mehrfachentwicklungen und ein erhöhter Aufwand für die Nutzer:innen.

Ob Digitalisierung tatsächlich zu einem verbesserten Zugang zu sozialen Leistungen und damit zu mehr Teilhabe beitragen kann, hängt deshalb maßgeblich von der Kooperation der beteiligten Akteure ab. Kooperation bedeutet nicht nur technische Abstimmung, sondern auch eine Verständigung über gemeinsame Ziele, Verantwortlichkeiten und Verfahren.

Ein Beispiel: Die Entwicklung einer digitalen Plattform für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Damit diese alltagstauglich ist, müssen die Perspektiven der Nutzer:innen ebenso berücksichtigt werden wie die Anforderungen von Pflegeeinrichtungen, Fachkräften und Behörden. Nur durch ko-kreative Zusammenarbeit können Lösungen entstehen, die sowohl technologisch tragfähig als auch sozial nachhaltig sind.

Was wir im Workshop anpacken wollen

Im Zentrum stehen drei Ziele:

  1. Barrieren und Gelingensbedingungen identifizieren – Welche strukturellen Hindernisse erschweren bisher die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden, Zivilgesellschaft und Wissenschaft? Welche Faktoren begünstigen gelingende Kooperationen?
  2. Kooperationsmodelle und Governance-Ansätze skizzieren – Wie können Prozesse gestaltet werden, die über Einzelprojekte hinaus tragfähig sind? Welche Formen von Steuerung, Moderation und Verantwortungszuweisung braucht es, damit Kooperation auch in komplexen Mehrebenensystemen funktioniert?
  3. Thesen und Handlungsempfehlungen entwickeln – etwa zu:
    • Beteiligung vulnerabler Gruppen im Design digitaler Angebote,
    • Vermeidung redundanter Digitalisierungsbemühungen,
    • Anforderungen an interoperable Systeme und Schnittstellen.

So wollen wir nicht nur Probleme sichtbar machen, sondern konkrete Ideen für bessere Verfahren und Strukturen entwickeln.

Wie wir arbeiten

Der Workshop ist dialogisch und partizipativ angelegt. Nach kurzen Impulsen aus der Perspektive von  Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden und Wissenschaft werden die Teilnehmenden in Kleingruppen an konkreten Leitfragen arbeiten, zum Beispiel:

  • Welche bisherigen Erfahrungen mit Kooperation im digitalen Raum gibt es?
  • Wo liegen strukturelle Reibungspunkte oder blinde Flecken?
  • Was würde echte Ko-Kreation ausmachen?

Die Ergebnisse werden gemeinsam visualisiert – etwa in Form einer Schnittstellen- oder Stakeholderkarte – und im Plenum zusammengeführt. So entsteht ein Überblick über übertragbare Prinzipien, zentrale Herausforderungen und offene Fragen.

Bei der Workshop-Anmeldung können Sie Ihre Interessen mit uns teilen und je nach Resonanz können Arbeitsgruppen entlang konkreter Themenschwerpunkte gebildet werden (z. B. Teilhabe vulnerabler Gruppen, technische Interoperabilität, Governance-Formate, etc.).

Wer wir sind

Wir sind eine Gruppe praxisorientierter Wissenschaftler:innen und konzeptionell interessierter Praktiker:innen, die sich in der Issue Group „Digitalität & soziale Dienste“ des Deutschen Instituts für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) zusammengeschlossen haben.

Mit unseren Aktivitäten tragen wir dazu bei, die digitale Transformation sozialer Dienste in ihren sozialen, rechtlichen und politischen Dimensionen besser zu verstehen und dabei Interdisziplinarität und Praxisbezug in der Sozialpolitikforschung zu stärken.

Warum Sie teilnehmen sollten

Der Workshop bietet die Möglichkeit, eigene Erfahrungen einzubringen, von anderen Perspektiven zu lernen und gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln. Sie können Kontakte zu Akteuren aus Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft knüpfen und vielleicht sogar Impulse für gemeinsame Projekte setzen.

Wir sind überzeugt: Nachhaltige Digitalisierung im Sozialbereich lässt sich nur erreichen, wenn technische Lösungen, politische Steuerung und sozialstaatliche Zielsetzungen zusammengeführt werden.

Wir laden Sie herzlich ein, an diesem Workshop teilzunehmen und aktiv an der Entwicklung einer Roadmap zur nachhaltigen Digitalisierung in Verwaltungen mitzuwirken. Ihre Erfahrungen und Ideen sind wertvoll und tragen dazu bei, dass wir gemeinsam praktikable Lösungen finden, die sowohl der Effizienz als auch der Nachhaltigkeit dienen.


Beitragsbild von Nathalia Segato auf Unsplash