Digitalität – Nachhaltigkeit – Wirkung: Wirkungsanalyse von Digitalität und Nachhaltigkeit in der öffentlichen Verwaltung

An dem von Dr. Julia Hodapp (TH Köln & Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung), Maximilian Düerkop (5STEP) und Andreas Steffen (NEGZ & 5STEP)gemeinsam vorbereiteten und moderierten PIAZZA-Workshop beteiligten sich 23 Interessierte aus vielfältigen Bereichen der öffentlichen Verwaltung, aus Wissenschaft und Unternehmen. Ziel des Workshops war es, in großer Breite und Offenheit über das Verhältnis zwischen Digitalität und Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft zu diskutieren sowie wünschenswerte Szenarien und geeignete Wirkungskriterien für nachhaltige Veränderungen in Metropolen, historisch industriell geprägten und ländlichen Räumen zu entwickeln. Dabei wurde die gleichzeitige Umsetzung von Digitalität und Nachhaltigkeit als Herausforderung, jedoch auch als große Chance bewertet.

Der Workshop begann mit einem durch einen Foliensatz unterstützten Impuls der Organisator:innen. Dieser stellte anhand miteinander verknüpfter Donut-Modelle zunächst im Großen die kritischen Faktoren unseres gesellschaftlichen Fundamentes und die globalen Herausforderungen ökologischer Nachhaltigkeit gegenüber, setzte dann fokussiert die Anforderungen an die (digitale) Verwaltungsgrundversorgung mit den dafür erforderlichen und vielfach nur begrenzt verfügbaren Ressourcen und Rahmenbedingungen in Beziehung und verband schließlich beide Perspektiven im „Public Twin-Transformation Model“ der Organisator:innen.

Abb. 1: Public Twin-Transformation Model

Im nächsten Schritt wurden die Teilnehmenden aufgefordert, ihre spontanen Gedanken zu „doppelter Transformation“ zu formulieren. Daraus resultierte eine Word Cloud, bei der sich „Herausforderung“, „Rebound-Effekt“ und „Parallelität“ als wesentliche Begriffe herauskristallisierten.

Abb. 2: Doppelte Transformation – Mentimeter Frage 01

Die anschließende gebundene Frage nach den aktuellsten gesellschaftlichen Themen der Teilnehmenden ergab „Wohnen“, „Frieden“ und „Arbeit“ auf den vordersten Plätzen, bei der Frage nach der ökologischen Fokussierung landeten „Verlust von Biodiversität“ und „Klimawandel“ mit deutlichem Abstand vorn.

Abb. 3: Doppelte Transformation – Mentimeter Frage 02
Abb. 4: Doppelte Transformation – Mentimeter Frage 03

Derart vorbereitet startete die erste Runde der Gruppenarbeit, deren Ziel die Erarbeitung wünschenswerter Szenarien für den Zeithorizont 2035 war, gegliedert in die Betrachtung von urbanen Metropolen, ländlichen Räumen mit Kleinstadt und historisch industriell geprägten Räumen. Dazu wurden die Teilnehmenden zufällig einer Gruppe zugeordnet. In der Gruppenarbeit galt es, eine umfassende Perspektive einzunehmen, die gesellschaftliches Fundament, ökologische Grenzen, digitale Verwaltungsgrundversorgung, die systemische Verwaltungsgrenze und technologische Möglichkeiten und Grenzen umfasste. In den Ergebnissen spiegelten sich einerseits die deutlich unterschiedlichen Problemschwerpunkte der betrachteten Lebensräume, z. B. vielfältige infrastrukturelle Mängel im ländlichen und die Veränderung der Arbeitswelt im historisch industriell geprägten Raum.

So wurden für den ländlichen Raum unter anderem ein bedarfsgerechter ÖPNV und wohnortnahe Bildungsangebote thematisiert, weiterhin auch mehr Beachtung und Partizipationsmöglichkeiten der Kommunen im föderalen System sowie die Entlastung der Kommunen durch intelligente, Ebenen übergreifende Digitalisierung und im Zuge dessen die Rückübertragung von Aufgaben an die zuständige Ebene.

Für den historisch industriell geprägten Raum wurden soziale Gerechtigkeit und eine höhere Lebensqualität in den historischen Quartieren, Letzteres durch den Einsatz von Sensorik und Automatisierung, als wünschenswert identifiziert sowie eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Kommunen, die den Aufgaben und dem Bedarf gerecht wird.

Aus Sicht der meist multi-kulturell geprägten urbanen Metropolen wurde beispielsweise der Bedarf an digitalen Bürgerdiensten in mehreren Sprachen identifiziert.

Allen Szenarien gemeinsam war u.a. die digitale Teilhabe aller Bürger:innen und dabei ein spezifischer Fokus auf den Erwartungen an die öffentliche Verwaltung: breites Online-Leistungsangebot mit guter Zugänglichkeit, z. B. einfacher und intuitiver Bedienbarkeit, ergänzt durch niedrigschwellige Trainingsangebote.

Ebenso wurden die Wiederverwendbarkeit von Verwaltungsanwendungen, gemeinsame Code-Repositorien, ein funktionierender Deutschland-Stack, die flächendeckende Verfügbarkeit und Nutzung praktikabler Standards sowie die leichte, möglichst automatisierte Umsetzbarkeit von Recht in Code als nicht nur für einen bestimmten Lebensraum wünschenswert genannt.

Anschließend folgte ein Impuls der Organisator:innen zum Themenkomplex Wirkung und Wirkungsmessung als Hinführung zur zweiten Gruppenarbeit, in der nachhaltige technische sowie organisatorisch-kulturelle Maßnahmen zur Umsetzung der Szenarien und Wirkungsmaße für das Erreichen der Maßnahmenzwecke und -ziele identifiziert wurden.

Obwohl in der Gruppenarbeit erneut entlang der drei bereits zuvor als Hintergrund genutzten Lebensräume gearbeitet wurde, ergaben sich für alle drei Aktionsfelder zum Ziel der doppelten Transformation durchgängig Maßnahmen und Wirkungskriterien, die auch für andere Lebensräume relevant und sinnvoll sind.

Als generell wünschenswerte übergeordnete technische Maßnahmen wurden Open-Source-Fokussierung, effiziente Herstellung von Datenverfügbarkeit und Interoperabilität eingestuft, wobei auch dezentrale Rechenzentren hinsichtlich nachhaltiger Nutzung betrachtet werden sollten.

Im organisatorisch-kulturellen Bereich ergab sich ein umfangreiches Portfolio von Maßnahmen, das von der wirkungsorientierten Verteilung der Steuereinnahmen über verwaltungsinterne Verbesserungen bis hin zu konkreten Maßnahmen mit Bürger:innennutzen reichte. Es wurden u. a. behördliche Entscheidungsstrukturen und die Durchlässigkeit zwischen Verwaltung und Wirtschaft/Wissenschaft als verbesserungsfähig und kommunale Angebote zur digitalen Mitnahme aller Bürger:innen als erstrebenswert identifiziert.

Auch zu den geeigneten Wirkungskriterien gab es detaillierte Vorschläge, beispielsweise geringere Kosten und Dauer von Anwendungsentwicklungsprojekten, höhere Nutzendenzahlen digitaler Verwaltungsdienste, steigende Zahlen proaktiver digitaler Verwaltungsleistungen, weniger Zeitaufwand der Bürger:innen/Unternehmen für die Erfüllung von Pflichten gegenüber der Verwaltung, systematisch erfasstes Nutzendenfeedback und aktiver Austausch mit verwaltungsexternen Nutzenden, Zufriedenheit des Verwaltungspersonals, weniger Zeitbedarf des Verwaltungspersonals für die einzelnen (Standard-)Vorgänge, ausgeglichene (kommunale) Haushalte und ausreichend Personal für nutzendenzentriertes Verwaltungshandeln.

Zum Abschluss stellten sich die Gruppen gegenseitig ihre Ergebnisse vor, wobei die Übereinstimmung der Ergebnisse, z. B. durch Bezugnahme, noch deutlicher wurde.

Der Workshop bot eine schlüssige, zielführende Struktur und gut vorbereitete Arbeitsmittel, die den durchgängig engagiert Teilnehmenden einen hilfreichen Rahmen lieferten, ihnen gleichzeitig genug Raum zum Einbringen der individuellen Perspektiven ließen und dadurch einen regen Austausch mit einer großen Zahl interessanter Ergebnisse förderten.


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