Miteinander in eine vernetzte Zukunft – Kommunale (Digital-)Kompetenzen stärken

Im PIAZZA-Workshop „Miteinander in eine vernetzte Zukunft – Kommunale (Digital-)Kompetenzen stärken“ von Sylvia Barthel, Sarah Brühl, Julia Maurer, Andreas Mayer und Kristina Oldenburg aus dem Netzwerk Digitale Dörfer Rheinland-Pfalz standen zwei zentrale Fragen im Mittelpunkt: Wie können Verwaltungen zukunftsfest gemacht werden und welche kommunalen (Digital-)Kompetenzen sind dafür notwendig?

Direkt nach der Vorstellung der Hosts nutzten die Teilnehmenden eine Live-Umfrage, um ihre Erwartungen und Ziele zu formulieren und ihre Ansichten auf Wandel, Change und Transformation in der Verwaltung zu teilen. Die Ergebnisse zeigten ein differenziertes Bild: Viele Teilnehmende bewerteten Verwaltungsstrukturen als zu starr für Veränderungen von innen, während der Einstieg von Quereinsteigenden überwiegend als unproblematisch eingeschätzt wurde. Förderprojekte und deren Verstetigung sowie die Rotation zwischen Verwaltung und Wirtschaft wurden ambivalent beurteilt. Zudem wurde eingeschätzt, dass Machtstrukturen stark von einzelnen Führungspersonen geprägt sind.

Vorstellung des Netzwerks Digitale Dörfer RLP

Anschließend wurde das Netzwerk Digitale Dörfer Rheinland-Pfalz vorgestellt, das unter dem Leitgedanken Smart Villages statt Smart Cities – Lösungen vom Land fürs Land digitale Vernetzung in ländlichen Räumen fördert. Über eine App und verschiedene Online-Formate unterstützt die Plattform den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Kommunen. Mit mittlerweile mehr als 40 Veranstaltungen und über 600 Teilnehmenden hat sich das Netzwerk als Austauschraum zu unterschiedlichen Digitalisierungsthemen als ein zentraler interkommunaler Treffpunkt etabliert und konnte damit auch in Politik und im zuständigen Ministerium positive Resonanz erzielen.

Gemeinsam Veränderungen gestalten

Ein weiterer Input beleuchtete den aktuellen Zustand der Verwaltungsarbeit und zeigte, dass Krisen und äußere Einflüsse zwar herausfordern, aber bei aktiver Gestaltung auch Chancen bieten. Da Veränderungen zunehmend komplexer und schneller verlaufen, sind neue, ko-kreative Handlungsstrategien erforderlich. Viele Kommunen stecken jedoch in starren Strukturen fest, die durch Bürokratie, Hierarchien, Silodenken sowie technische und personelle Engpässe Flexibilität und Innovation hemmen. Hier bilden die Modellkommunen im Netzwerk Digitale Dörfer Rheinland-Pfalz einen zentralen Ansatz, um Themen gemeinsam zu bearbeiten und Veränderungsprozesse aktiv voranzutreiben. So entstehen praxisnahe Lösungsansätze, die Innovation und nachhaltige Entwicklungen in den Kommunen fördern.

Leitfrage 1: Verwaltungen zukunftsfest machen

Anschließend startete die Gruppenarbeit zur ersten Leitfrage „Wie können wir Verwaltungen zukunftsfest machen?“. Die Teilnehmenden arbeiteten parallel in zwei Gruppen auf unterschiedlichen Conceptboards. Gruppe 1 sammelte dabei zunächst individuelle Herausforderungen, etwa im Umgang mit digitaler Technik oder bei der Einführung von Prozessmanagement. Darauf aufbauend wurden Lösungsvorschläge erarbeitet und anschließend priorisiert. Es zeigte sich, dass konkrete Maßnahmen und Umsetzungsschritte noch weiter ausgearbeitet werden müssen. Inhaltlich wurden unter anderem die Verankerung von Prozessmanagement in der Verwaltungsausbildung, die Vereinheitlichung technischer Standards, niedrigschwellige analoge Anlaufstellen zur Vermittlung digitaler Services sowie stärkere Beteiligungsmöglichkeiten für Mitarbeitende hervorgehoben. Insgesamt wurde deutlich, dass digitale Daseinsvorsorge und mitgestaltbare Strukturen zentrale Faktoren für eine zukunftsfeste Verwaltung sind.

Abb. 1: Wie könnten wir Verwaltungen zukunftsfest machen? – Gruppe 1

Gruppe 2 wählte eine andere Herangehensweise und arbeitete mit der Methode des umgekehrten Brainstormings. Zunächst wurden Beispiele gesammelt, die verdeutlichen, was passieren müsste, damit Verwaltungen nicht zukunftsfest werden – etwa ein Festhalten an Silostrukturen oder das Beibehalten starrer Hierarchien. Diese Negativszenarien wurden anschließend ins Positive übertragen und in konkrete Lösungsansätze überführt. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Zukunftsfähigkeit vor allem durch ein kooperatives Miteinander von Führungskräften und Mitarbeitenden entsteht. Dafür braucht es sowohl passende Prozesse als auch klare inhaltliche Schritte. Besonders hervorgehoben wurde der Bedarf, das Problembewusstsein auf Führungsebene weiter zu schärfen.

Abb. 2: Was muss getan werden, damit der Status Quo auf jeden Fall erhalten bleibt? – Gruppe 2

Leitfrage 2: Notwendige kommunale (Digital-)Kompetenzen

In der zweiten Gruppenarbeit setzten sich die Teilnehmenden parallel in zwei Gruppen mit der Leitfrage „Welche kommunalen (Digital-)Kompetenzen sind dafür notwendig?“ auseinander. Gruppe 1 nutzte die klassische Brainstorming-Methode mit anschließender Priorisierung durch Voting. Die Frage wurde dabei auf verschiedenen Ebenen betrachtet: auf allgemeiner Ebene, auf der Bearbeitungsebene der Sachbearbeitenden, auf Führungsebene sowie auf den Aufsichts- und vorgesetzten Ebenen. Es zeigte sich, dass neben technischen Kompetenzen insbesondere organisatorische Fähigkeiten und Soft Skills von zentraler Bedeutung sind. Auf allgemeiner Ebene wurden Fehlerkultur, Ambiguitätstoleranz und Eigenverantwortung hervorgehoben. Führungskräfte sollten Leitplanken und transparente Zielvorgaben setzen, während Kommunikationsfähigkeit, Empathie sowie die Fähigkeit zur Gestaltung und Veränderung besonders für die mittlere Führungsebene als entscheidend bewertet wurden.

Abb. 3: Welche kommunalen (Digital-)Kompetenzen brauchen wir für welche Rolle(n)? – Gruppe 1

Gruppe 2 arbeitete in mehreren kurzen, aufeinanderfolgenden Brainstorming-Runden. Jede:r Teilnehmende notierte spontan Ideen und ließ sich anschließend von den Vorschlägen der anderen inspirieren. Aus fünf Runden wurden die besten Ideen in ein finales Ereignisfeld überführt. Dabei zeigte sich, dass Kompetenzen im Umgang mit digitalen Tools eng mit der Verwaltungskultur verbunden sind. Zentral sind Zuhören, Empathie, Mut und die Bereitschaft, über Grenzen hinweg zu lernen sowie Impulse zu initiieren. Auch ein Kulturwandel, etwa durch offenere Kommunikationswege oder eine lockerere Anrede, wurde als wichtiger Faktor für die Entwicklung notwendiger Kompetenzen hervorgehoben.

Abb. 4: Welche kommunalen (Digital-)Kompetenzen sind notwendig? – Gruppe 2

Vernetzt handeln, Zukunft gestalten

In der abschließenden Diskussion reflektierten die Teilnehmenden die gewonnenen Impulse und die inspirierende Zusammenarbeit. Dabei wurde deutlich, dass Verwaltungsstrukturen weiterhin stark fragmentiert sind und überregionale Vernetzung nur begrenzt stattfindet. Die Teilnehmenden betonten, dass die Ergebnisse des Workshops das Potenzial haben, in regelmäßig wiederkehrenden Treffen vertieft zu werden, um voneinander zu lernen und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Zudem wurde hervorgehoben, dass Herausforderungen und Lösungsansätze aus der kommunalen Praxis gezielt auf höherer Ebene platziert werden sollten, um den Transfer lokaler Initiativen in übergeordnete Strukturen zu ermöglichen. Insgesamt zeigte sich, wie wichtig ein gemeinsames, vernetztes Vorgehen ist, um kommunale (Digital-)Kompetenzen nachhaltig zu stärken und den Weg in eine zukunftsfähige Zusammenarbeit zu ebnen.


Beitragsbild von Vitaliy Zamedyanskiy auf Unsplash