Soziale Nachhaltigkeit und Smart Cities

Der Workshop „Soziale Nachhaltigkeit und Smart Cities – Wie lässt sich die sozial-nachhaltige digitale Transformation in Städten für die gesamte Gesellschaft gestalten?“, veranstaltet von Akteur:innen der Universitäten München, Würzburg, Duisburg-Essen und der Stadt Freiburg, brachte etwa 15 Teilnehmer:innen aus Kommunen, Wissenschaft, Stiftungen und Unternehmen zusammen. Im Fokus stand die Herausforderung, wie digitale Strategien in Städten sozial nachhaltig und inklusiv gestaltet werden können, ein in im Kontext der Sustainable Smart Cities oft vernachlässigter Aspekt. 

Ein besonderer Wert des Workshops war die Vernetzung der Teilnehmer:innen aus verschiedenen Sektoren. In der interaktiven Vorstellungsrunde teilten die Teilnehmer:innen bereits ihre diversen Perspektiven, Erfahrungen und Kenntnisse, was zu einem wertvollen, gemeinsamen Wissensfundus führte, von dem alle Anwesenden im Nachgang der Veranstaltung profitierten. Dies zahlte ein auf eines der Hauptziele des Workshops sowie der gesamten PIAZZA-Konferenz: dem Austausch und der Entwicklung von Best-Practices und Handlungsoptionen an der Schnittstellte Staat, Digitalisierung und Gesellschaft.  

Interdisziplinäre Vernetzung und Wissensaustausch 

Der Workshop begann mit einem fundierten wissenschaftlichen Impuls zur Rolle digitaler Tools in der Förderung sozialer Nachhaltigkeit in städtischen Kontexten. Smart Cities wurden dabei als Fokuspunkte verschiedener Schlüsseldebatten hervorgehoben. Sie sind nicht nur Schauplätze, sondern auch Motoren für innovative Lösungen und bedeutsame gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Insbesondere die Bereiche Wohnen, Energieversorgung und Mobilität sowie das stetige Wachstum und die fortschreitende Urbanisierung von Städten wurden als zentrale Themen identifiziert. 

Bislang fokussierten sich viele Debatten und Lösungsansätze von Smart Cities primär auf Innovationen und vernachlässigten dabei häufig soziale Fragestellungen. Nun verstärkte sich das Interesse an Nachhaltigkeitsfragen, was zu einem Umdenken führte: Digitalisierung und Nachhaltigkeit sollen nicht länger separat, sondern in einem integrierten Ansatz betrachtet werden, wobei ein besonderes Augenmerk auf die soziale Inklusion gelegt wird und nicht allein technologiepolitische Ziele verfolgt werden. Damit wird ein zentrales Ziel der UN-Nachhaltigkeitsziele für nachhaltige Städte und Gemeinden aufgegriffen. In den darauffolgenden Diskussionsrunden in Kleingruppen wurde intensiv erörtert, was unter sozialer Nachhaltigkeit verstanden werden kann, und welche bewährten Praktiken sowie Herausforderungen in diesem Zusammenhang bereits beobachtet wurden. 

Förderung sozialer Nachhaltigkeit in digitalen Städten 

Die Themen Zugang und Gerechtigkeit standen im Mittelpunkt der Diskussionen. Besondere Beachtung fand der Zugang der Bürger:innen zu technischen Ressourcen und die Möglichkeit ihrer Beteiligung an Entscheidungsprozessen, sowie die barrierefreie und inklusive Gestaltung dieser Angebote durch die Verwaltung. Es wurde eingehend über die komplexen Entscheidungsstrukturen auf Stadtebene debattiert, die häufig zu einer ungleichmäßigen Verteilung von Ressourcen wie Wohnraum, Gesundheitsdiensten und Bildungsangeboten führen können. Diskutiert wurde beispielsweise, wie sich Infrastruktur und Zugänglichkeit öffentlicher Verkehrsmittel zwischen verschiedenen Stadtteilen unterscheiden, oder wie der Zugang zu Beteiligungsformaten von technischen Möglichkeiten und Altersgruppen abhängt.  

Die Teilnehmer:innen widmeten sich zudem intensiv der sozialen Ungleichheit und den unterschiedlichen sozialen Milieus in urbanen Räumen. Die Bedeutung präziser und zuverlässiger Daten wurde hervorgehoben, um ein detailliertes Verständnis der sozialen Struktur einer Stadt zu gewinnen und gezielte Entwicklungsmaßnahmen zu planen. Diskutiert wurde über die Herausforderungen bei der Datenerhebung und -analyse, um Vielfalt und Diversität in der städtischen Planung angemessen zu berücksichtigen. Es wurden mehrere beispielhafte Projekte vorgestellt, darunter digitale Karten, die verschiedenste Ressourcen und Zugangsmöglichkeiten aufzeigen. Diese Beispiele waren oft eng mit ökologischen Aspekten verknüpft, die für die Resilienz von Städten entscheidend sind. In einer umfassenden Diskussionsrunde wurden die Ergebnisse zusammengefasst und vertiefend besprochen.

Offenheit vs. Geschlossenheit von ToolsResilienzFördermöglichkeiten für Kommunen
Diversität & InklusionBeteiligung/ PartizipationZugang
Chancengleichheit & GerechtigkeitPolitisierungOperationalisierung, Ressourcen & Change Management in der Verwaltung
Abbildung 1: Zusammenfassung der Best Practices und Herausforderungen.

Innovation und Teilhabe: Wege zu einer effizienten und inklusiven Stadtverwaltung 

Nach einer kurzen Pause wurden wieder kleinere Gruppen gebildet, um anhand spezifischer Herausforderungen Lösungsansätze zu erarbeiten. Im Fokus stand zunächst die Verwaltungsebene, wo insbesondere Operationalisierung, Ressourcenmanagement und Change-Management als zentrale Herausforderungen identifiziert wurden. Es wurde konstatiert, dass Verwaltungen häufig an Zeitmangel, fehlender Expertise oder Berührungsängsten der Mitarbeiter:innen im Umgang mit gewissen digitalen Technologien für Transformationsprozesse leiden. Vorgeschlagen wurden verstärkte Investitionen in Weiterbildungen, eine hierarchieunabhängige Berücksichtigung von Kritik und Vorschlägen, die Implementierung von New-Work-Modellen zur Steigerung der Attraktivität für junge Menschen und eine konsequentere Durchführung von Change-Management-Initiativen, um unter anderem auf den demografischen Wandel zu reagieren. 

Parallel dazu wurde die Frage erörtert, wie Bürger:innen effektiver über Möglichkeiten zur Partizipation informiert werden können. Die Gruppe unterstrich die Bedeutung technischer Lösungen, inspiriert von Best Practices aus der Wirtschaft, um eine aktive Bürgerbeteiligung zu fördern. Es wurde empfohlen, spezialisierte Ansprechpartner:innen in der Verwaltung einzusetzen, die gezielt für diese Aufgaben ausgebildet sind. Die Förderung des Ehrenamts wurde als wesentlicher Aspekt hervorgehoben, da es eine tragende Rolle in der Gesellschaft einnimmt. Weiterhin wurde auf die Relevanz politischer Unterstützung und finanzieller Mittel zur Förderung von Entscheidungsfreude und einer Kultur des konstruktiven Umgangs mit Fehlern hingewiesen. Die Herausforderung, Zielkonflikte und verschiedene Perspektiven zu vereinen, wurde dabei anerkannt. 

Zusammenarbeit als Schlüssel zur Innovation 

In der Abschlussdiskussion des Workshops wurden die Herausforderungen der Innovationsumsetzung aufgrund bestehender Strukturen betont. Es herrschte Einigkeit darüber, dass die Veranstaltung selbst ein positives Beispiel für den wertvollen Austausch über Best Practices darstellt und unterstreicht, wie die Zusammenarbeit aller beteiligten Sektoren dazu beitragen kann, ein digitales Ökosystem aufzubauen. Bei einer Vielzahl an sichtbaren Beispielen von konkreten, erfolgreichen Projekten, erhöht sich auch die Möglichkeit, dass diese nachgeahmt werden können. 


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